Gründung des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein

18.03.2026 - Vor 125 Jahren
Am 10. Februar 1901 versammelten sich im Gasthof «Kirchthaler» in Vaduz 45 Männer zur Gründung des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein (HVFL). Der Verein spielte in den folgenden Jahrzehnten als patriotisch-staatstragende, konservative Kulturinstitution eine prägende Rolle in Liechtenstein. Schon die Gruppe der Gründungsmitglieder wies in ihrer politischen, weltanschaulichen und sozialen Zusammensetzung in diese Richtung.

Autor: Cornelius Goop

Der neu gegründete Verein, so erklärte an der Gründungsversammlung sein erster Vorsitzender Albert Schädler, solle «mit dem nun begonnen neuen Jahrhundert in Leben treten». Geschichte sei, fuhr er fort, «die Lehrmeisterin der Völker» und durch das Studium der Vergangenheit lerne man «die Gegenwart begreifen», womit sich ein «Blick in die Zukunft» eröffne. Zumindest implizit war damit auch eine politische Stossrichtung formuliert. Zu den bei der Gründung anwesenden «Geschichtsfreunden» kamen noch 22 Männer dazu, die nicht persönlich teilnehmen konnten; bis Ende des ersten Vereinsjahres zählte der Historische Verein bereits 79 Mitglieder (Frauen befanden sich nicht darunter). Die Männer stellten zweifellos eine «Bildungselite» Liechtensteins dieser Zeit dar, so waren darunter in erster Linie Beamte, Lehrer, Pfarrer und leitende Gewerbetreibende, zahlreiche hatten eine Universität besucht. Es bestand auch eine offensichtliche Nähe zur staatlichen Elite Liechtensteins, wie nicht zuletzt der neu gewählte Vorstand zeigte: Der Vorsitzende Albert Schädler war Landtagspräsident, dazu kamen als Schriftführer Landesvikar Pfarrer Johann Baptist Büchel, als Kassier der Oberlehrer Alfons Feger sowie als weitere Mitglieder der Landesverweser Karl von In der Maur sowie der Architekt Egon Rheinberger. Büchel, Feger und Rheinberger gehörten (teils erst ab 1902) dem Landtag an, Feger war zudem Mitglied des Landesschulrats. Ab 1902 wurden auch Fürst Johann II. und weitere Angehörige des Fürstenhauses Mitglied des Vereins, erstes Kollektivmitglied war die liechtensteinische Regierung.

Auffällig war die Nähe der Gründungsmitglieder zu jenen politischen Kreisen, aus denen sich 1918 die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) bildete. Sie entstammten einer liechtensteinischen politischen Tradition des 19. Jahrhunderts, die sich durch eine betont katholisch-konservative Weltanschauung, ein Näheverhältnis zum Fürstenhaus und zu patriarchalisch-obrigkeitlichen Strukturen auszeichnete. Auch wenn dieses Verhältnis nicht absolut war – so wurde etwa der spätere Gründer der oppositionellen Volkspartei Wilhelm Beck 1912 Vereinsmitglied – haftete dem HVFL noch bis weit ins 20. Jahrhundert der Ruf des «schwarzen» (d.h. FBP-nahen) Vereins an. Intellektuell-familiär lassen sich weitere Verbindungen ins 19. Jahrhundert ziehen: So zählten zu den Gründungsmitgliedern etwa Jakob Kaiser, Vorsteher von Mauren und Neffe des Historikers Peter Kaiser oder Robert Vonbun, Lehrer an einer Schule im englischen Manchester und Sohn des «Sagensammlers» Franz Josef Vonbun.

Gleichzeitig war der neue Historische Verein ein männlich dominierter Zusammenschluss. Die erste Frau im Verein wurde 1902 Freiin Wilhelmine von Hausen (1831–1918), die in Wien lebende Witwe des 1889 verstorbenen Landesverwesers Karl Haus von Hausen. Erst 1913 folgte mit der Vaduzer Posthalterin Maria Rheinberger (1859–1950) die zweite Frau.

 

Lesen Sie dazu auch:

Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein (HVFL)

Historiografie

Albert Schädler

Johann Baptist Büchel

Alfons Feger

Karl von In der Maur

Egon Rheinberger

Wilhelm Beck

Jakob Kaiser

Peter Kaiser

Franz Josef Vonbun

 

Zum Bild: Organisatoren der 200-Jahrfeier des Kaufs der Grafschaft Vaduz durch das Fürstenhaus Liechtenstein im Jahr 1912 auf der Schlosswiese in Vaduz. Zahlreiche dieser «Honoratioren» waren auch prägende Persönlichkeiten der frühen Jahre des HVFL. Von links: Karl Hartmann, Julius Hartmann, Lorenz Kind, Adolf Real, Rudolf Schädler, Johann Baptist Büchel, Karl von In der Maur, Egon Rheinberger, Albert Schädler und Alfons Feger (Liechtensteinisches Landesarchiv, Vaduz, SgAV 01 B 043/035, Repro: Walter Wachter).

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